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Buchbesprechung

Begleiten von sterbenden Kindern und Jugendlichen

Gabriele Glanzmann/Eva Bergsträßer
Anja Verlag
157 Seiten
ISBN 3-9050009-28-5

Gelesen von: Dr. Hanna Vollmer, Assistenzärztin in der Klinik für Kinder- und Jugendmedizin Hamburg-Eppendorf, Abteilung für neonatologische und pädiatrische Intensivmedizin

Dieses Buch von G. Glanzmann und E. Bergsträßer bietet dem Leser, was es im Untertitel verspricht: einen (praktischen) Ratgeber für Familien und Helfende in der Sterbebegleitung von Kindern. In zwölf Kapiteln wird versucht, medizinischen und psychologischen Aspekten zu diesem Thema gleichermaßen Raum zu geben. In den ersten Kapiteln geht es überwiegend um die Sterbebegleitung von Kindern zu Hause. Hierin wird aufgeführt, welche Institutionen Hilfe bei der Pflege bieten können, welche körperlichen Symptome bei einem Kind im Sterbeprozeß auftreten können und welche grundsätzlichen Voraussetzungen geschaffen sein müssen, um eine Pflege zu Hause gewährleisten zu können. Von Beginn an wird die Individualität jedes Einzelfalles betont und durch viele Fallbeispiele unterstrichen.

Was unterscheidet die Sterbebegleitung von Kindern gegenüber der Erwachsender? Auf diese (unausgesprochene) Frage findet der Leser im mittleren Teil des Buches eine Antwort. Die Bedeutung der Begriffe von Sterben und Tod werden von jedem Menschen im Laufe seiner Entwicklung erworben. Die Autorinnen zeigen anschaulich, wie sich deshalb in Abhängigkeit vom Alter des Kindes seine Vorstellungen vom Tod wandeln. Für Eltern und Begleitende wird es so leichter, eine gemeinsame "Sprache" mit dem sterbenden Kind zu finden.

Einen eher kurzen Abriß geben die Autorinnen über religiöse Aspekte des Todes. Hier wird versucht, in wenigen Sätzen die Bedeutung des Todes und die daraus resultierenden Rituale in den unterschiedlichen Religionen zu skizzieren.

In den folgenden Kapiteln befassen sich die Autorinnen mit der unmittelbaren Zeitspanne rund um den Tod des Kindes. Wie spreche ich mit dem Kind über den nahenden Tod? Wer soll im Augenblick des Todes dabei sein? Was passiert im Moment des Sterbens? Was muß danach getan werden? Dieses sind die entscheidenden Fragen für Betroffene. An dieser Stelle scheinen die Autorinnen ihre Kompetenz - zumindest punktuell - zu überschreiten. Psychologen wie Mediziner sollten sich darüber im klaren bleiben, daß sie allenfalls gedankliche Hilfestellungen, aber keine Antworten auf diese Fragen geben können. Der Tod ist so individuell wie das Leben und niemand weiß, was im Moment des Sterbens wirklich passiert.

Die letzten Kapitel sind der Trauer der Hinterbliebenen gewidmet. Besondere Aufmerksamkeit erhalten an dieser Stelle verwaiste Geschwister. Im Anhang findet der Leser Adressen von Selbsthilfegruppen sowie erwähnter unterstützender Organisationen, zusätzlich weiterführende Literaturhinweise.

Den Autorinnen ist es in diesem Werk hervorragend gelungen, sachkundige und einfühlsame Hilfe auf dem Weg der Sterbebegleitung von Kindern und Jugendlichen zu geben. Angesprochen werden in erster Linie Eltern und betroffene Familien. Aber auch für medizinisches Fachpersonal ist diese Lektüre ausgesprochen hilfreich: sie ist eine Einladung, sich neben der "naturwissenschaftlichen" Anschauung auf weitaus persönlichere Aspekte des Todes einzulassen. Daß die Autorinnen dabei in kurzen Phasen zu sehr ins Theoretische abgleiten oder ihre Kompetenz zu überschreiten scheinen, tut dem Gesamteindruck des Buches dabei keinen Abbruch.

"Sterben ist immer ein kürzeres oder längeres Stück Leben" - dieses Buch ist eine Aufforderung, den letzten gemeinsamen Weg so intensiv wie möglich miteinander zu gestalten!

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