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Buchbesprechung

Begleiten von sterbenden Kindern und Jugendlichen

Gabriele Glanzmann/Eva Bergsträßer
Anja Verlag
157 Seiten
ISBN 3-9050009-28-5

Gelesen von: Maria Gausling, Kinderkrankenschwester und Dipl. Pflegewissenschaftlerin

Das vorliegende Buch mit dem Titel "Begleiten von sterbenden Kindern und Jugendlichen", verfasst von Gabriele Glanzmann (Diplom-Psychologin) und Eva Bergsträßer (Kinderärztin), umfasst ca. 150 Seiten und ist in sehr verständlichen Worten geschrieben Die dargestellten Inhalte sind entsprechend des Inhaltsverzeichnisses stringent, von hohem Informationsgehalt und hinsichtlich der Thematik angemessen. Der gewählte Stil ist einfach, jedoch keineswegs oberflächlich und wirkt daher bezüglich der sensiblen Thematik für den Leser eher ansprechend.

Insgesamt halte ich das Buch für die vorgesehene Zielgruppe als sehr empfehlenswert, sowohl für Helfende als auch für Eltern von sterbenden Kindern. Sehr einfühlsam wird die Situation, das Erleben sterbender Kinder, die häufig auftretenden Schwierigkeiten innerhalb der Familie beschrieben unter Berücksichtigung der jeweiligen Individualität der beteiligten Personen. Die Begleitung von schwerstkranken Kindern und Jugendlichen wird überwiegend auf kasuistischer (durch Fallbeispiele) und weniger auf wissenschaftlicher Basis dargestellt, wodurch auch einem medizinischen Laien der Zugang zu der vielleicht vorher fremden Materie erleichtert bzw. ermöglicht wird.

Als sehr positiv erachte ich, dass sehr differenziert auf die entwicklungspsychologisch bedingten Unterschiede im Erleben und Verstehen bezüglich Krankheit und Tod bei Kleinkindern, heranwachsenden Kindern und Jugendlichen eingegangen wird unter Berücksichtigung der altersbedingten Bedürfnisse sowie Vorstellungen über den Tod, den Sterbeprozess und damit verbundenen Fragen und Ängsten, die diese Menschen bewegen. Eltern erhalten konkrete Hilfestellungen und Tipps im Umgang mit ihrem sterbenden Kind, Familienmitgliedern und Geschwisterkindern. Da Geschwister von schwerstkranken Kindern noch immer weitestgehend in der Literatur zum Thema "Sterben und Tod" vergessen werden ist mir gerade dieser Aspekt als besonders positiv aufgefallen.

Die Autorinnen vertreten eindeutig die Meinung, dass Kinder und Jugendliche, die lebensbedrohlich erkrankt sind, nach Möglichkeit in ihrer gewohnten Umgebung, d.h. zu Hause, ihre letzte Lebensphase verbringen sollten. Auch wenn dieses unter hohem Engagement und Unterstützung von unterschiedlichen Professionen sicherlich realistisch und auch zu befürworten ist, sollte meines Erachtens diese Möglichkeit immer als Alternative und nie als Optimum angesehen werden. Aufgrund äußerer Umstände und auch familieninterner Konflikte bzw. allgemeinen Erschöpfungszuständen der Familienmitglieder bedingt durch die oftmals langwierige Erkrankung des Kindes kann ein Krankenhausaufenthalt Entlastung und mehr Sicherheit für alle Beteiligten bedeuten.

Pflegekräften und insbesondere Eltern werden zahlreiche hilfreiche Anregungen und Ratschläge im Umgang mit sterbenden Kindern und Jugendlichen angeboten, überwiegend für die Pflege zu Hause. Ich persönlich habe dieses vermisst bezüglich eines Aufenthaltes in der Klinik. Gerade im routinierten Klinikbetrieb halte ich es für äußerst wichtig, Mitarbeiter immer wieder für die Bedürfnisse des Kindes und seinen Angehörigen zu sensibilisieren und Eltern zu ermutigen, Wünsche zu äußern, so dass auch in dem nicht so vertrauten Rahmen sich diese Menschen so zu Hause wie möglich fühlen können.

Gabriele Glanzmann und Eva Bergsträßer entlassen den Leser mit Zuversicht, Aufrichtigkeit und Betroffene mit dem Gefühl, nicht allein gelassen zu sein. Und gerade das macht wahrscheinlich das Besondere dieses Buches aus, welches auf jeden Fall wert ist, gelesen zu werden.

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