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Pressemitteilung

Fallpauschalengesetz gefährdet Qualität der Versorgung von kranken Kindern und Jugendlichen

22.07.2004

Das Aktionskomitee Kind im Krankenhaus (AKIK), ein Zusammenschluss von Eltern, der sich für die Rechte von Kindern im Krankenhaus einsetzt, fordert die Bundesregierung dringend zu Korrekturen am neuen Krankenhausfinanzierungssystem DRGs, den sogenannten diagnoseorientierten Fallpauschalen, auf:

"Dieses Fallpauschalensystem wird den Besonderheiten der stationären Versorgung in deutschen Kinderkliniken und Kinderabteilungen bisher keinesfalls gerecht - trotz der bereits an einigen Stellen des Fallpauschalenkatalogs 2004 vorgenommenen kleineren Eingriffe", so die Sprecherin des AKIK-Bundesverbandes, Julia von Seiche. "Viele Eltern sprechen uns an, weil sich für sie bereits jetzt Einbußen in der Qualität und Rückschritte bei der stationären Versorgung ihrer Kinder abzeichnen."

Von Seiche: "Wir verfolgen seit mehreren Jahren die Anstrengungen der pädiatrischen Fachgesellschaften und haben den Eindruck, dass deren sachliche Diskussion über das Problem nicht weiter gebracht, allenfalls wohlwollende Beteuerungen der Politik produziert hat, sich für kranke Kinder und Familien einzusetzen. Ergebnisse solcher Bekundungen sehen wir jedoch nicht, die etwas zur Sicherung der Qualität der stationären Versorgung von kranken Kindern und Jugendlichen beigetragen hätten."

Völliges Unverständnis äußerte die AKIK-Sprecherin, dass Kinderkliniken und Kinderabteilungen nun auch noch den erhöhten logistischen und personellen Mehraufwand, den die kindgerechte Versorgung von kranken Kindern und Jugendlichen mit sich bringe, nachweisen sollten: "Reine Zeitverschwendung. Diese Tatsache war bereits unumstritten im Gesundheitswesen akzeptiert, und zwar lange, bevor das neue Krankenhausfinanzierungssystem im Jahr 2000 beschlossen wurde. Und für jeden Menschen mit einigermaßen Verstand ist auch nachvollziehbar: Die Behandlung und die Pflege eines Kindes kann nicht nach Minutentakt erfolgen".

Kinderkliniken behandelten heutzutage vor allem akute Fälle, chronisch kranke, schwerkranke und Kinder mit seltenen, sehr spezifischen Krankheiten, häufig Krankheiten, die Erwachsene nicht bzw. nicht in dieser Form haben, erläutert die AKIK-Sprecherin. Dabei seien Kinder in der Regel wesentlich kürzer im Krankenhaus als Erwachsene. Daher liefen Aufnahme, Diagnostik und Therapie wesentlich verdichteter als bei erwachsenen Patienten ab: "Damit dies überhaupt so funktioniert, ist nicht nur entsprechend ausgebildetes Personal, sondern auch ausreichend Personal erforderlich." Vor diesem Hintergrund sei es besonders wichtig, dass die ambulante Tätigkeit der pädiatrischen Einrichtungen gesichert werde, die als indirekte Folge des Fallpauschalengesetzes ebenfalls gefährdet werden.

"Wir werden nicht hinnehmen, dass viele der von uns mühsam erkämpften Fortschritte in der Qualität der stationären kindgerechten Versorgung - flexible Besuchszeiten, Mitaufnahme von Eltern, kindgerechte Stationen und Zimmer, pädagogische und psychosoziale Betreuung von Kindern, Schulunterricht für Kinder, die lange in der Klinik bleiben müssen u.a. mehr - aufgegeben werden." Eltern wollten eine kindgerechte Betreuung ihrer Kinder - ohne wenn und aber, d.h. eine Versorgung, die dem erhöhten Zeitaufwand gerecht werde, den die fachgerechte Betreuung von kranken Kindern und Jugendlichen und ihrer Angehörigen erfordere. "D.h.: umfassende persönliche Beratung, die ihnen hilft, ihr krankes Kind richtig zu pflegen, ihren häufig schwierigen Alltag mit dem kranken Kind zu meistern und nicht als störendes Mobiliar betrachtet zu werden, weil es nicht mehr genügend Personal gibt, das sich um ihre Bedürfnisse kümmern kann", so Julia von Seiche: "Wir erwarten von der Politik nicht nur vollmundige Bekenntnisse für Familien und Kinder, sondern, dass sie etwas tut, was das Etikett "Kinderfreundlichkeit" auch verdient. Dazu zählt besonders die Gesundheit der heranwachsenden Generation. Diese wird den künftigen Senioren nicht vergessen, was an ihr versäumt wurde, wenn sie eines Tages den Generationenvertrag einlösen soll."

AKIK setzt sich seit mehr als 35 Jahren für das Wohlergehen kranker Kinder im Krankenhaus ein und verfolgt zahlreiche Aktivitäten, die kranke Kinder und ihre Familien in ihrer schwierigen Situation unterstützen. AKIK ist Mitglied der Bundesarbeitsgemeinschaft Kind und Krankenhaus (BaKuK), einem Zusammenschluss von mehr als zwanzig Berufsverbänden, Elterninitiativen, Fachgesellschaften und Einzelpersonen, die den Anspruch auf bestmögliche Krankenhausversorgung als fundamentales Recht von Kindern und Jugendlichen vertreten.

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