Direkt zum Menü, Tastenkombination ALT + 1 | Direkt zum Inhalt, Tastenkombination ALT + 2

Pressemitteilung

Klinische Versorgung krebskranker Kinder und Jugendlicher in Deutschland ist gefährdet

16.05.2013

Anlässlich Halbjahrestagung weist die Vorstandsvorsitzende der GPOH, Frau Prof. Dr. Angelika Eggert, auf ein brennendes Problem hin: Die klinische Versorgung krebskranker Kinder und Jugendlicher in Deutschland ist akut gefährdet, da eine gesicherte bundeseinheitliche Finanzierung dieser sektorübergreifenden Versorgung fehlt.

Jährlich erkranken in Deutschland ca. 2000 Kinder und Jugendliche neu an Krebs. Nicht zuletzt bedingt durch die Seltenheit dieser Erkrankungen ist die Behandlung weitgehend auf ca. 70 spezialisierte Kinderkrebs-Behandlungszentren konzentriert. Die Struktur- und Prozessqualität von Kinderkrebs-Behandlungszentren ist durch eine "Vereinbarung des Gemeinsamen Bundesausschusses über Maßnahmen zur Qualitätssicherung für die stationäre Versorgung von Kindern und Jugendlichen mit hämato-onkologischen Krankheiten" festgelegt und seit Jahren auf einem hohen Niveau etabliert.

Vor allem als Ergebnis bundesweit einheitlicher Diagnostik- und Therapiestandards in sogenannten "Therapieoptimierungsstudien" hat sich die Überlebensprognose für krebskranke Kinder und Jugendliche in den vergangenen Jahrzehnten stetig verbessert und liegt aktuell bei einer exzellenten Heilungsrate von > 80%. Angesichts der Seltenheit der Erkrankungen - ein niedergelassener Kinderarzt stellt im Verlaufe seines beruflichen Lebens ein- bis dreimal die Diagnose einer bösartigen Erkrankung im Kindes- und Jugendalter - übernehmen die Kinderkrebs-Behandlungszentren im Sinne einer sektorübergreifenden Versorgungsstruktur neben der stationären Versorgung jedoch bundesweit auch die komplette teilstationäre und ambulante Betreuung sowohl in der Akutphase der Behandlung wie auch in der Nachsorge.

Die Finanzierung der vollstationären Behandlungsepisoden ist durch das G-DRG-System weitgehend gesichert, die teilstationären und ambulanten Behandlungen sind jedoch trotz der vorbildlich umgesetzen sektorübergreifenden Versorgungsstruktur deutlich unterfinanziert. Dies ist u.a. dadurch bedingt, dass das kassenärztliche Vergütungssystem keine Kalkulationsgrundlage für diese spezielle Versorgung zur Verfügung hat. Eine Querfinanzierung aus dem stationären Sektor, wie in vergangenen Jahrzehnten praktiziert, ist nach Einführung der DRG-Fallerlöse grundsätzlich nicht mehr möglich.

Die Unterfinanzierung der teilstationären und ambulanten Behandlungen und die daraus resultierenden Defizite führen bundesweit fast alle Kinderkrebs-Behandlungszentren zunehmend in wirtschaftliche Schwierigkeiten. Trotz bundesweit vergleichbarem Kostenaufwand sind örtliche Regelungen, regional unterschiedliche Tagesklinikpauschalen, persönliche Ermächtigungen, Institutsermächtigungen, Finanzierungen über § 116 b, § 120 SGB-V etc. extrem unterschiedlich. Dies führt bereits heute zu regionalen Unterschieden in der medizinischen Versorgungsqualität krebskranker Kinder. Es mangelt somit an einer bundeseinheitlichen kostendeckenden Vergütungsstruktur für die Sicherstellung der Kinderkrebsbehandlung.

"Die GPOH, die Kinderkrebsstiftung, die Deutsche Leukämieforschungshilfe und der Dachverband der Elternvereine krebskranker Kinder und Jugendlicher wünschen sich zu dieser Problematik einen konstruktiven Dialog mit den Entscheidungsträgern im Gesundheitswesen", so Frau Prof. Dr. Eggert.

zum Seitenanfang

http://

Archiv

Alle Pressemitteilungen