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Pressemitteilung

Vor der Entlassung: Neonatologischer Entlassungsbereich

18.11.2010

Im Rahmen des Internationalen "Tag des Frühgeborenen" wird am heutigen 18. November der neu geschaffene neonatologische Entlassungsbereich des Kinder-Frauenzentrums am Universitätsklinikum Carl Gustav Carus Dresden eingeweiht. In den dafür geschaffenen fünf Einzelzimmern haben Eltern die Möglichkeit, sich vor der Entlassung aus stationärer Behandlung fünf Tage lang ungestört und eigenständig um ihre zu früh geborenen Kinder zu kümmern. Mit diesem Bereich erweitern die Neonatologen das Betreuungsangebot, das über die rein medizinische Versorgung der Frühgeborenen hinausgeht.

Bei der Versorgung von Frühgeborenen spielen die Eltern eine wichtige Rolle: "Der lange Aufenthalt auf der Intensivstation belastet die Eltern enorm. Nicht nur die notwendigen intensivmedizinischen Maßnahmen sondern auch die 'Zerbrechlichkeit' der unreifen Frühgeborenen stellt die Eltern vor eine große Herausforderung", sagt Prof. Mario Rüdiger, Leiter des Bereichs Neonatologie/Pädiatrische Intensivmedizin der Uni-Kinderklinik: "Während des Krankenhausaufenthalts sind es die Eltern gewohnt, dass ihr Kind ständig medizinisch überwacht wird. Es verunsichert sie deshalb stark, wenn es zu Hause diese Technik nicht mehr gibt und sie sich nicht innerhalb von Minuten kompetente Hilfe holen können." Mit dem aus fünf Einzelzimmern bestehenden Entlassungsbereich erleben sie diese Situation vorab - allerdings mit dem sicheren Gefühl, dass die Ärzte und Schwestern in unmittelbarer Nähe sind. Bis dahin wurden die Frühgeborenen in Bereichen betreut, in denen jeweils sechs Kinder in zwei miteinander verbundenen Zimmern betreut wurden. Ein ständiges Kommen und Gehen von Ärzten, Schwestern sowie Eltern anderer Kinder ist dort unvermeidlich.

"Der neue Entlassungsbereich ist ein weiterer Baustein der Klinik, um die Beziehungsaufnahme zwischen Eltern und Frühgeborenen zu fördern", erklärt PD Dr. Jörg Reichert, Leiter des Bereichs psychologische und sozialmedizinische Versorgung. In den vergangenen zwei Jahren baute der Psychologe an der Uni-Kinderklinik ein breit gefächertes Angebot zur familienorientierten, psychosozialen Betreuung von Familien mit Frühgeborenen auf. Dazu gehört auch der "Elternkurs" des FamilieNetzes - ein Schulungsprogramm, das Wissen über die Besonderheiten dieser Kinder vermittelt. "Wenn die Eltern das Verhalten und die Besonderheiten ihres Nachwuchses genauer kennen und interpretieren können, fällt es ihnen leichter, deren Entwicklung eigenständig zu fördern und bei Problemen früh Hilfe zu holen", erklärt PD Dr. Reichert den Ansatz des Programms. Da diese Leistungen derzeit nicht von den Krankenkassen finanziert werden, braucht das "FamilieNetz" Unterstützung von außen. Unter anderem konnte die Stiftung "Soziales & Umwelt" der Ostsächsischen Sparkasse dafür gewonnen werden, einen Teil der Materialien für die Schulungen zu finanzieren.

Um die Wirksamkeit des Konzepts zu überprüfen, laufen an der Dresdner Kinderklinik bereits mehrere Forschungsprojekte. "Wir gehen unter anderem der Frage nach, ob die psychosoziale Betreuung der Familien dazu beiträgt, dass die Frühgeborenen sich gesundheitlich stabiler entwickeln und so auch Langzeitkosten für weitere medizinische Behandlungen gesenkt werden können", so Prof. Rüdiger. Gelingt hierfür der wissenschaftliche Nachweis, steigen die Chancen einer Finanzierung der Angebote durch die Krankenkassen.

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