Direkt zum Menü, Tastenkombination ALT + 1 | Direkt zum Inhalt, Tastenkombination ALT + 2

Pressemitteilung

Masern - ohne Impfung diverse Komplikationen möglich

17.03.2009

Masern: die hoch ansteckende und keineswegs harmlose Kinderkrankheit breitet sich aus. Dabei sollten bis zum nächsten Jahr, nach einem vor 25 Jahren von der WHO gefassten Beschluss, die Masern ausgerottet sein. Jetzt drohen neue Epidemien. Seit Anfang des Jahres sind allein in Hamburg mehr als 100 Masernfälle gemeldet worden.

Der aktuelle Ausbruch in Hamburg ist typisch für die Altersverschiebung der "Kinderkrankheit". Hier ging die Masernwelle von einem 27-jährigen Mann aus, der mit einem fieberhaften Infekt ins Krankenhaus kam und dort einen Klinikmitarbeiter sowie weitere Erwachsene im Wartebereich der Ambulanz angesteckt hat. Danach erkrankten Familienangehörige der Masernpatienten. Unter den ersten 59 Anfangsfällen waren hauptsächlich Jugendliche im Alter von 15 bis 19 Jahren sowie junge Erwachsene im Alter von 20 bis 37 Jahren betroffen.

Von einer "harmlosen" Krankheit kann bei Masern keine Rede sein, betont die Stiftung Kindergesundheit. Das Masernvirus schwächt die natürlichen Abwehrkräfte des Körpers und macht das betroffene Kind für Infektionen aller Art anfällig. Das führt dadurch häufig zu Lungenentzündungen, Mittelohrentzündungen, Vereiterungen der Nebenhöhlen und Entzündungen der Augen.

Außerdem ist das Virus "neurotrop" ("nervengängig") und kann zu Störungen des Nervensystems führen. Bei vielen Kindern führt die Krankheit bei scheinbar komplikationslosem Verlauf zu zentralnervösen Auffälligkeiten, die sich nicht selten in Verhaltens- und Konzentrationsstörungen der Kinder über lange Zeit hin auswirken können. Am meisten gefürchtet ist die Masern-Enzephalitis, also eine Entzündung des Gehirns. Experten des Robert-Koch-Instituts rechnen auf 500 bis 2000 Masernerkrankungen einmal mit einer Masern-Enzephalitis. Die Sterblichkeit bei dieser schweren Komplikation ist mit 10 bis 20 Prozent hoch.

SSPE - die seltene aber schlimmste Komplikation der Masern

Die Buchstaben SSPE bedeuten: Subakute (also langsam verlaufende) sklerosierende (mit Gewebsumbau einhergehende) Panenzephalitis (Entzündung, die das gesamte Gehirn befällt). Diese Komplikation ist erst vor 40 Jahren, 1969 als Spätfolge von Masern beschrieben worden. SSPE wird zu den so genannten "Slow virus"-Erkrankungen gerechnet und tritt oft erst mehrere Jahre nach der durchgemachten Masernerkrankung auf. Sie beginnt mit Verhaltensauffälligkeiten und führt meist innerhalb von sechs bis zwölf Monaten (manchmal allerdings im Laufe mehrerer Jahre) unter fortschreitendem Abbau geistiger und motorischer Fähigkeiten zur Zerstörung des Gehirns und schließlich zum Tod.

Ohne Impfung droht Gefahr

Die Ansteckung mit Masern in Gemeinschaftseinrichtungen bringt besonders Kinder in Gefahr, die aufgrund einer so genannten Kontraindikation nicht geimpft werden können, zum Beispiel bei einer angeborenen Immunstörung oder weil sie wegen einer bösartigen Krankheit eine Immunitätsunterdrückende Behandlung erhalten. Ebenfalls gefährdet sind junge und deshalb nach den Empfehlungen der STIKO noch nicht vollständig geimpfte Babys und kleine Kinder im ersten und zweiten Lebensjahr.

Zur Bekämpfung der Krankheit empfiehlt die WHO eine Durchimpfung von mindestens 95 Prozent der Bevölkerung mit dem Dreifachimpfstoff gegen Masern, Mumps und Röteln.

Für die erste Impfspritze wird dieser Wert unter den Zweijährigen in Deutschland annähernd erreicht. Die zweite empfohlene Impfung erhalten allerdings nur rund 80 Prozent der Kleinkinder, und das ist zu wenig. "Eltern, die ihrer elterlichen Sorge zum Impfen nicht nachkommen, gefährden nicht nur die Gesundheit des eigenen Kindes, sondern auch die anderer Menschen", betont der Münchner Kinder- und Jugendarzt Professor Dr. Berthold Koletzko, Vorsitzender der Stiftung Kindergesundheit mit großem Nachdruck. "Besucht ein ungeimpftes Kind eine Kindertagesstätte, einen Kindergarten oder eine Schule, besteht einerseits für dieses Kind selbst das Risiko, dort angesteckt zu werden, andererseits besteht auch die Gefahr, dass dieses Kind andere ungeschützte Kinder ansteckt".

Die Stiftung Kindergesundheit stellt nachdrücklich fest: Durch die Impfung ihres Kindes übernehmen Eltern auch Verantwortung für die Gesellschaft. Sie tragen dazu bei, den Impfschutz der Bevölkerung, die so genannte Herdenimmunität zu verbessern. Professor Dr. Berthold Koletzko: "Alle Eltern sollten wissen: Keine andere Maßnahme der Medizin hat bisher mehr Leben gerettet als die Impfungen".

Masernelimination

Um das von der Weltgesundheitsorganisation für 2010 anvisierte Ziel der Masernelimination zu erreichen, dürften in Deutschland jährlich nur bis zu 85 Erkrankungen auftreten. 2008 registrierte das Robert-Koch-Institut jedoch 912 Masernfälle in Deutschland, fast doppelt so viele wie im Jahr zuvor (566 Kranke).

Vorbeugen ist besser als heilen.

Deshalb setzt sich die Stiftung Kindergesundheit, unter dem Vorsitz von Herrn Prof. Koletzko, Dr. von Haunersches Kinderspital München, für eine verbesserte Gesundheitsvorbeugung ein, fördert die hierzu notwendige Forschung und die Verbreitung wissenschaftlich gesicherter Informationen für Ärzte und Familien mit Kindern. Unser Engagement gilt nicht nur Kindern mit besonderen gesundheitlichen Problemen. Die gewonnenen Erkenntnisse kommen allen Kindern und ihren Familien zugute.

zum Seitenanfang

http://

Archiv

Alle Pressemitteilungen