Direkt zum Menü, Tastenkombination ALT + 1 | Direkt zum Inhalt, Tastenkombination ALT + 2

Pressemitteilung

Mindestmengen für Frühgeborene gefährden flächendeckende Versorgung

19.08.2009

"Kein Bereich der stationären Versorgung unterliegt einer so hohen Regelungsdichte wie die Kliniken für Frühgeburten. Eine weitere Verdichtung durch Mindestmengen gefährdet die Versorgung und die familiennahe Erreichbarkeit". Mit diesen Worten appelliert der Hauptgeschäftsführer der Deutschen Krankenhausgesellschaft (DKG), Georg Baum, an die Krankenkassen im Gemeinsamen Bundesausschuss (G-BA), ihren Antrag auf Mindestmengen zurückzuziehen und zunächst die Wirkungen der kürzlich beschlossenen Qualitätssicherungsmaßnahmen zu untersuchen.

Der morgen im Plenum des G-BA zur Abstimmung stehende Antrag, Mindestmengen von 50 Frühgeburten bis zu einem Gewicht von 1.500g bzw. 36 Frühgeburten bis zu einem Gewicht von 1.250g einzuführen, würde die zugelassenen Kliniken auf nur noch 70 im gesamten Bundesgebiet reduzieren. Im Jahr 2005 waren noch 470 Kliniken zugelassen. Alle Fakten sprechen gegen einen solchen Versorgungskahlschlag:

Die Krankenhäuser bekennen sich zum Anspruch der Patienten auf bestmögliche Qualität. Dies gilt in ganz besonderem Maße für den sensiblen und medizinisch hoch anspruchsvollen Bereich der Versorgung von frühgeborenen Kindern. Die DKG hat mit ihrer Mitwirkung an den bislang zustande gekommenen Beschlüssen mehr als deutlich zur Sicherung der Qualität in der Neonatologie beigetragen.

Alle maßgeblichen Institutionen und Organisationen, die an dieser Diskussion teilnehmen, haben sich gegen die Einführung weiterer Mindestmengen ausgesprochen. Namentlich sind das zusammen mit der DKG die Bundesärztekammer, der Deutsche Ärztetag 2009, die Kassenärztliche Bundesvereinigung, der Deutsche Pflegerat und die Hebammen, der bundesweite Elternverband "Aktionskomitee Kind im Krankenhaus" und der Verband der leitenden Kinder- und Jugendärzte und Kinderchirurgen Deutschlands. Höchst umstritten sind die Mindestmengen in der Fachgesellschaft für Neonatologie und Pädiatrische Intensivmedizin sowie bei den Gynäkologen.

Nicht nachvollziehbar ist der massive politische Druck aus der Leitung des Bundesministeriums für Gesundheit (BMG), mit hohen Mindestmengen in die von den Bundesländern zu verantwortenden Versorgungsstrukturen einzugreifen. Dies erfolgt ohne ausreichende Datengrundlage und Folgeabschätzung. So würden z.B. in Baden-Württemberg von derzeit 29 Krankenhäusern nur noch sieben für die Versorgung von Frühgeborenen übrig bleiben. Besonders kritisch würde die Situation in bevölkerungsarmen Flächenländern werden.

DKG-Hauptgeschäftsführer Georg Baum warnte nachdrücklich vor den Folgen: "Zur Qualität in den medizinischen Versorgung gehört auch die Erreichbarkeit medizinischer Leistungen. Mit den Mindestmengen, die die Krankenkassen beantragen, würde die Erreichbarkeit in der Fläche und insbesondere für Familien, die sich über die langen Wochen der stationären Behandlung der Säuglinge lange Anfahrtswege nicht leisten können, erheblich eingeschränkt werden."

zum Seitenanfang

http://

Archiv

Alle Pressemitteilungen