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Pressemitteilung

Familienhebammen wollen elterlicher Gewalt vorbeugen

10.04.2008

Um elterlicher Gewalt und Vernachlässigung von Säuglingen vorzubeugen, wurde am Universitätsklinikum Heidelberg das Projekt "Keiner fällt durchs Netz" initiiert. Direkt nach der Geburt betreuen speziell ausgebildete Familienhebammen besonders belastete Familien.

"Wenn ein Paar ein Kind bekommt, dann tauchen oft Fragen und Herausforderungen auf, und es herrscht erst einmal Verunsicherung", erläutert der Projektkoordinator Dr. Andreas Eickhorst. Besonders Eltern die an der Armutsgrenze leben, arbeitslos sind oder Probleme mit Drogen haben sind oftmals mit der neuen Situation überfordert. Um diesen Familien zu helfen wurde das Konzept der Familienhebammen erdacht.

"Im Idealfall informiert uns bereits der Gynäkologe während der Schwangerschaft und weist uns auf eine besonders belastete Familie hin", so Eickhorst. Spätestens aber nach der Geburt, so das Ziel, sollen Koordinatoren den Kontakt zwischen der Klinik und den Familienhebammen herstellen. Die Hebammen betreuen die Eltern bis zu einem Jahr lang und unterstützen sie in allen Fragen, die den Säugling betreffen: Nachsorge, Ernährung, Gesundheitsvorsorge u.m. "Das Wichtigste ist eine gute Bindung zwischen Eltern und Kind aufzubauen. Die Beziehung muss stimmen", sagt der Projektkoordinator.

Im "Netzwerk für Eltern" tauschen sich die Familienhebammen zusätzlich regelmäßig mit Kolleginnen von Entbindungsstationen aus sowie mit Frauen- und Kinderärzten, Mitarbeitern von Beratungsstellen, geburtshilflichen Stationen und Gesundheits-, Sozial- und Jugendämtern. So ermöglicht das Netzwerk eine gemeinsame, unbürokratische Hilfe auch in Fragen, die nicht in die Kompetenz der Hebammen fallen.

Während ihrer Zusatzausbildung absolvierten die Familienhebammen Kurse in frühkindlicher Entwicklung, zu psychiatrischen Erkrankungen der Mütter, juristischen Fragestellungen, Gesprächsführung und Notfallhilfe.

Koordiniert und evaluiert wird das Projekt durch das Heidelberger Team um Professor Dr. Cierpka und Dr. Eickhorst. Dabei vergleichen die Wissenschaftler die von den Familienhebammen betreuten Gruppen mit Kontrollgruppen, etwa belasteten Familien aus noch nicht am Modellprojekt beteiligten Landkreisen, und wollen dadurch wichtige Fragen klären: Wie hängen die einzelnen Belastungsfaktoren bei gefährdeten Familien zusammen? Wie verändern sich Beziehungsqualität, Feinfühligkeit, Entwicklung des Babys und die Interaktionsqualität zwischen Eltern und Kind über die Zeit? Das Projektteam hofft auf erste Ergebnisse zu Erfolgen der Arbeit in einem halben Jahr.

Website des Projekts "Keiner fällt durchs Netz"

http://www.keinerfaelltdurchsnetz.de

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