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Pressemitteilung

Weltstillwoche 2007 - Stillen von der ersten Lebensstunde an

15.08.2007

Die internationale Weltstillwoche vom 1. bis 7. Oktober rückt die erste Lebensstunde von Neugeborenen ins Zentrum. Beim ersten Stillen bekommt ein Baby eine lebenswichtige Mahlzeit und die Eltern-Kind-Bindung wird gefördert.

Sowohl Mutter als auch Kind befinden sich in der Postpartalzeit in einer sensiblen Phase, einer hormonellen Ausnahmesituation, die es beiden ermöglicht, genau das "Richtige" zu tun, damit die kindliche Adaption an die neue Welt möglichst stressfrei geschehen kann, sein Überleben gesichert wird, sowie die Nachblutungen aus dem Uterus gering bleiben.

Studien am Karolinska Universitätskrankenhaus in Stockholm haben gezeigt, dass das Neugeborene mit einem Kompetenzreichtum geboren wird, der es ihm, wie den anderen neugeborenen Säugetieren ermöglicht, selbstständig die Brust seiner Mutter zu finden und Kolostrum zu saugen. Vorausgesetzt, dass die kindlichen Instinkte nicht durch mütterliche subpartale Analgesie beeinträchtigt sind , wird ein normales gesundes Neugeborenes einem inneren Programm folgend, seine Augen öffnen, an seinen Händchen saugen, den Kopf suchend hin und her bewegen, sich krabbelnd auf dem weichen Bauch seiner Mutter vorwärts Richtung Brust bewegen, diese mit seinen Händen greifend massieren, dann die Areola berühren und stimulierend lecken, was hohe Oxytocinausschüttung im mütterlichen System hervorruft, und ca. 50 bis 90 Minuten postpartal beginnen an der Areola zu saugen (Matthiessen et al, postpartum maternal oxytocinrelease by newborns: effects of hand massage and sucking. Birth 2001).

Dieses fein abgestimmte, dem Kinde innewohnende Programm, entfaltet sich optimal, wenn das neugeborene Kind nach der Geburt ungewaschen, jedoch abgetrocknet ununterbrochen in direktem Hautkontakt mit seiner Mutter liegt.

Der Schutz dieser ungestörten Zweisamkeit in den ersten Stunden postpartal (pp), hat weit reichende, nicht zu unterschätzende gesundheitliche Bedeutung.

Die frühe Stimulation der Areola bewirkt die Bildung von Prolaktinrezeptoren im Brustdrüsengewebe, damit baldige Milchbildung.

Die Perinatologie hat in den letzten 25 Jahren in Bezug auf Früherkennung und Behandlung pathologischer Situationen enorme Fortschritte gemacht.

Dabei darf jedoch der Respekt gegenüber dem "natürlichen Programm", das in sich Gesundheit birgt, nicht verloren werden.

Die Geburt ist das große Ereignis, der lang erwartete und oft befürchtete Höhepunkt und Abschluss der Schwangerschaft für die Frau und ihren Partner. Auch für die Hebamme ist der Geburtsvorgang von größter Wichtigkeit, es ist ihr Anliegen, dass das Kind gesund zur Welt kommt und ihre kompetente Begleitung in ewiger elterlicher Erinnerung. Die einfühlsame Gestaltung der postpartalen Situation wirft ein Licht nach vorne in die Zukunft von Mutter und Kind, in der das Kleine sich in geborgener Beziehung gesund entfalten wird.

Als Hebammen fühlen wir uns dem Beginn der Mutter-Kind-Beziehung verpflichtet und schützen die sensible Periode pp, indem wir bei normalgewichtigen, gesunden Neugeborenen die U1 auf dem Bauch der Mutter vornehmen und die Gabe von Vitamin K und die evtl. Augenprophylaxe auf die Zeit nach dem ersten Stillen legen.

Kreißsaalroutine lässt sich neu entwickeln, die sensible Phase für Mutter und Kind nicht!

Kinder, die durch Kaiserschnitt zur Welt kommen, erhalten sobald ihre Mutter bereit ist, die Möglichkeit im ungestörten Hautkontakt mit ihr zu sein. Sie werden u.U. zarter Unterstützung beim ersten Stillen bedürfen, da beide schon von einander getrennt waren.

Das Selbstvertrauen der Frau in ihre Stillfähigkeit wird am besten gefördert in einer stillfreundlichen Atmosphäre, in der alle Helferinnen und Helfer (Hebammen, ÄrztInnen, Schwestern) gleiche Stillberatungskompetenz besitzen und bereit sind, pädagogisch zu wirken. Je geborgener die frischgebackene Mutter ihre neue Lebenssituation erleben kann, umso leichter wird es ihr fallen, empathisch auf ihr Kind einzugehen. Die Entbindungsstation setzt den Standard, der für viele Eltern auch zuhause später gilt.

Wird Nähe durch täglichen Hautkontakt und 24h Rooming-in ermöglicht, liebevoller und geduldiger Umgang mit dem neugeborenen Kind und seinen Eltern durch das Fachpersonal gepflegt und vermittelt, können die Eltern die ersten schwierigen Wochen leichter bewältigen. Vielleicht wird der Wunsch in ihnen nach dem nächsten Kind bald aufkommen.

Auch eine Frau, die nicht stillen möchte, sollte pp sowie in den folgenden Tagen häufig ihr Neugeborenes in direktem Hautkontakt haben, damit beider Beziehung sich gut entfalten kann.

Bund Deutscher Hebammen

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