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Pressemitteilung

Internationaler Tag der Pflege

10.05.2007

Internationaler Tag der Pflege in Berlin mit Konferenz zur dramatischen Unterversorgung in der deutschen Pflege eröffnet / Wissenschaftler warnen vor Langzeitfolgen chronischer Mangelversorgung / Internationale Studien weisen mangelnde Pflege in Kliniken als Todesursache nach.

Der am kommenden Sonnabend in aller Welt gefeierte Internationale Tag der Pflege (12. Mai 2007) wird in Berlin mit einer hochkarätig besetzten Konferenz zum Thema "pflegerische Unterversorgung der Bevölkerung in Deutschland" begangen. Rund 100 Wissenschaftler, Experten und Pflegefachkräfte diskutieren die Folgen unzureichender Personalausstattung in vielen deutschen Kliniken und Heimen. Die Konferenz wird vom Dachverband der deutschen Pflege, dem Deutschen Pflegerat e.V. (DPR), der DG Pflegewissenschaft e.V. sowie der Dekanekonferenz Pflegewissenschaft e.V. ausgerichtet. "Die deutsche Pflege erleidet gegenwärtig einen nie gekannten Rückschritt", beklagt DPR-Präsidenten Marie-Luise Müller anlässlich der Konferenz in Berlin, "Versorgungs- und Ausbildungsplätze werden abgebaut, der Beruf wird im Zuge der Einsparungsmaßnahmen schleichend entwertet und die pflegerische Versorgung der Bevölkerung gefährdet. Anstelle ausgebildeter Pflegepersonen werden zunehmend ungelernte Hilfskräfte eingestellt. Die für unsere immer älter werdende Gesellschaft entscheidende Zukunftsfunktion der Pflege wird von Politik und Gesellschaft nicht wahrgenommen."

Eine Aufsehen erregende Studie über die Folgen mangelnder Pflege steht dabei im Mittelpunkt der Konferenz: So hat die britische Wissenschaftlerin Prof. Anne-Marie Rafferty (King’s College London) nachgewiesen, dass die Todesrate in englischen Krankenhäusern mit zu wenig Pflegepersonal um rund 26 Prozent höher liegt als in Klinken mit ausreichender Personalausstattung. Die Studie verglich die Daten von 120.000 Patienten mit den Informationen von 4.000 Pflegern und Krankenschwestern in 30 verschiedenen Krankenhäusern Großbritanniens: So muss sich der Studie nach in "schlechten" Kliniken jede Pflegekraft um durchschnittlich 14,3 Patienten kümmern, in gut ausgestatteten Klinken dagegen nur um 6,9 Patienten. Bei höherer Arbeitsbelastung der Pflegekräfte steigt die Wahrscheinlichkeit, dass Patienten sich schlechter und langsamer erholen, Komplikationen bei der Genesung mit möglicherweise tödlichen Folgen auftreten.

Prof. Dr. Frank Weidner, einer der führenden Pflegewissenschaftler des Landes, fordert für Deutschland endlich verlässliche Untersuchungen zur pflegerischen Qualität; Zahlen würden bislang nur aus dem Ausland vorliegen, "dabei brauchen wir dringend ein Forschungsprogramm, um den Zusammenhang zwischen Pflegekapazität und Pflegequalität zu untersuchen." Die grundsätzliche Formel, dass mehr Pflegepersonal auch eine bessere Pflegequalität mit sich bringe, sei richtig, "zumal in den letzten zehn Jahren in Deutschland rund 40.000 Stellen in der Pflege abgebaut worden sind." Der Wissenschaftler mahnt aber eine differenzierte Auseinandersetzung mit Personalschlüsseln und Ausstattung in Kliniken und Pflegeheimen an. Langfristig könne eine Unterversorgung zu risikoreichen "Risiken und Nebenwirkungen" für Patienten und Verbraucher führen.

Der Deutsche Pflegerat e.V. wurde 1998 gegründet, um die Positionen der Pflegeorganisationen einheitlich darzustellen und die politische Arbeit zu koordinieren. Darüber hinaus fördert der Zusammenschluss aus zwölf Verbänden die berufliche Selbstverwaltung. Seit 2003 handelt der Deutsche Pflegerat e.V. als eingetragener, gemeinnütziger Verein. Als Bundesarbeitsgemeinschaft des Pflege- und Hebammenwesens und Partner der Selbstverwaltung im Gesundheitswesen vertritt der Deutsche Pflegerat heute die insgesamt 1,2 Millionen Beschäftigten in der Pflege. Über die berufliche Interessenvertretung hinaus ist der Einsatz für eine nachhaltige, qualitätsorientierte Versorgung der Bevölkerung oberstes Anliegen des Deutschen Pflegerats.

Weitere Informationen:
Deutscher Pflegerat e.V.
Salzufer 6 10785 Berlin
Tel.: + 49 30 219157-57
Fax: +49 30 21 9157-77
http://www.deutscher-pflegerat.de

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