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Pressemitteilung

Frühchen: Neue Verfahren können Erblindung verhindern

23.09.2007

In Deutschland entwickeln pro Jahr rund 500 zu früh geborene Babys schwere Schäden an der Netzhaut. Wird diese "Frühgeborenen-Retinopathie" nicht entdeckt und behandelt, droht die Erblindung. Neue Diagnoseverfahren erlauben spezialisierten Augenärzten inzwischen, diese Veränderungen frühzeitig zu erkennen und zu behandeln. In einem telemedizinischen Projekt werden die Screening-Daten aller Frühgeborenen ausgewertet, die an fünf bayerischen Perinatalzentren seit 2001 zur Welt kamen. Ergebnisse werden auf der 105. Jahrestagung der DOG in Berlin präsentiert.

Rund zehn Prozent aller Babys kommen zu früh zur Welt. 1,4 Prozent wiegen sogar weniger als 1500 Gramm. Der Anteil dieser besonders unreifen Frühgeborenen steigt seit Jahren kontinuierlich an. Etwa acht Prozent aller Babys mit einem Geburtsgewicht von unter 1.250 Gramm entwickeln aufgrund der Unreife der Netzhaut eine Frühgeborenen-Retinopathie (ROP), bei der sich die Netzhaut ablösen kann. Kommt ein Kind vor der 28. Schwangerschaftswoche auf die Welt, ist sogar jedes fünfte Baby betroffen.

Seit dem Jahr 2001 screenen im Rahmen eines Telemedizinischen Projektes in fünf bayerischen Frühgeborenen-Zentren die Ärzte alle Frühgeborenen, die vor der 32. Schwangerschaftswochen geboren wurden, um Netzhautschäden zu entdecken. Die Daten - bislang wurden über 1200 Kinder untersucht - fließen in einer Zentrale zusammen und werden dort von spezialisierten Kinderophthalmologen ausgewertet.

Die Vorteile: Auch seltene Formen der Fehlentwicklung können entdeckt und die Befunde der kleinen Patienten zentral dokumentiert und analysiert werden. Seit Projektbeginn diagnostizierten die Spezialisten 250 Kinder mit einer ROP, 35 davon mussten mit dem Laser behandelt werden.

Auf dem Jahreskongress der Deutschen Ophthalmologischen Gesellschaft präsentieren Professor Birgit Lorenz, Direktorin der Universitäts-Augenklinik Gießen, und ihr Team Auswertungen des Registers. Die Augenärzte untersuchten beispielsweise 65 Mehrlingsgeburten mit insgesamt 142 Kindern. Bei 13 Mehrlingsgeburten, 16,9 Prozent der Babys, diagnostizierten die Mediziner eine ROP. Nur bei drei Mehrlingsgeburten waren die Befunde bei den Kindern identisch. Auffallend war auch, dass der leichtere Mehrling nicht zwingend die schwerere Schädigung hatte. Bei fünf Frühgeborenen mussten die Ärzte eine Behandlung mit dem Laser durchführen.

Das Geburtsgewicht - dieses kann bei Mehrlingen deutlich unterschiedlich sein - und die Dauer der Schwangerschaft sind jene Faktoren, welche die Wahrscheinlichkeit einer ROP am stärksten beeinflussen: Kinder, die eine Behandlung brauchten, hatten mit im Schnitt 695 Gramm ein signifikant niedrigeres Geburtsgewicht als jene, die nicht behandelt werden mussten. Die behandlungsbedürftigen Kinder waren im Schnitt auch in der 25 Schwangerschaftswoche geboren worden, während Kinder die nicht behandelt werden mussten, im Schnitt in der 27. Woche auf die Welt gekommen waren.

In einem neuen, gerade angelaufenen Forschungsprojekt wollen Lorenz und ihr Team untersuchen, ob eine unreife Makula unreif bleibt oder ob sie - zumindest in einem gewissen Maß - nachreifen kann. Darum bestimmen die Kinderophthalmologen bei den Frühgeborenen den Reifegrad der Makula mit verschiedenen Methoden. Dazu gehörte beispielsweise die Messung des Abstands zwischen der Austrittsstelle des Sehnervs (Papille) und der Stelle des schärfsten Sehens (Fovea). Dieser Abstand ist beispielsweise bei Kindern mit einer behandlungsbedürftigen Retinopathie um knapp zehn Prozent größer als bei Kindern, die länger im Mutterleib heranreifen konnten. Um herauszufinden, ob solche Untersuchungen Vorhersagen für die weitere Entwicklung der kindlichen Sehfähigkeit erlauben, wollen die Kinderophthalmologen die betroffenen Kinder regelmäßig untersuchen und den jeweiligen Status mit den Ausgangsbefunden vergleichen.

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