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Pressemitteilung

Geburtshilfe neu denken

23.05.2006

Schwangerschaft und Geburt sind keine Krankheit. Einerseits. Andererseits sind sie die am besten kontrollierten Phasen im Leben einer Frau. So steht es im ersten wissenschaftlichen "Bericht zur Situation und Zukunft des Hebammenwesens in Deutschland".

"Geburtshilfe neu denken" ist Titel und Fazit der Dokumentation, die die Arbeitsgruppe um Professorin Friederike zu Sayn-Wittgenstein am Internationalen Hebammentag in Osnabrück präsentiert hat. Der 170 Seiten umfassende Bericht entstand in Kooperation mit dem Bund Deutscher Hebammen e.V. und durch Unterstützung der Robert Bosch Stiftung.

90 Hebammen, Vertreterinnen und Vertreter der Politik und des Gesundheitswesens kamen auf Einladung der Arbeitsgruppe zu einem Symposium nach Osnabrück. Die Referentinnen informierten über die Ergebnisse der Dokumentation und diskutierten über Herausforderungen des Hebammenwesens von morgen.

"Innerhalb nur einer Generation ist Geburt zu einem hoch medikalisierten Vorgang geworden. Die normale Geburt steht auf der roten Liste", fasst die Referentin Professorin Beate Schücking von der Universität Osnabrück die Ergebnisse des Berichtes zusammen. Die Zahlen sprechen für sich: Jede fünfte Geburt wird heute eingeleitet, jede dritte Gebärende erhält Wehenmittel unter der Geburt und mehr als die Hälfte eine überwiegend rückenmarksnahe Anästhesie. Immer noch bekommt mehr als ein Drittel der Frauen einen Dammschnitt (zum Vergleich: die außerklinische Geburtshilfe zeigt, dass auch Raten unter zehn Prozent möglich sind). Mehr als ein Viertel der Frauen erhält zur Geburt ihres Kindes einen Kaiserschnitt.

Schwangerschaft, Geburt, Wochenbett und Stillzeit - also Prozesse, die miteinander verbunden sind, werden in viele Einzelteile zerlegt. "Eine gesunde Mutter eines gesunden Kindes hat vom Beginn der Schwangerschaft bis zum Ende der Stillzeit im ungünstigen Fall Kontakt zu sechs oder mehr Betreuungspersonen", sagt Professorin zu Sayn-Wittgenstein von der Fachhochschule Osnabrück. "Das sind der niedergelassene Gynäkologe, die Geburtsvorbereiterin, die Hebamme und der Gynäkologe in der Klinik, die Hebamme im Wochenbett, hinzu kommt der Rückbildungskurs und die Stillberaterin." Das Problem dabei: die Frauen würden oft überhäuft mit teilweise widersprüchlichen Informationen. Die unterschiedlichen betreuenden Professionen seien in der Regel gar nicht oder nur unzureichend untereinander vernetzt.

Nicht nur aus gesundheitsökonomischen Gesichtpunkten werden hier Ressourcen verschwendet. Die gängige Versorgungsstruktur hat nicht selten eine Über-, Unter-, Fehl- oder Nichtversorgung zur Folge. Ein aktives Management der Schnittstellen kann dazu beitragen, die daraus entstehenden Probleme zu lösen oder zumindest zu mildern: Hebammen könnten die Frauen durch diese Lebensphase lotsen und dafür sorgen, dass die Versorgungsleistungen aufeinander abgestimmt sind. Ideal ist eine Begleitung bis zum Ende des ersten Lebensjahres durch Hebammen, wie es einige europäische Nachbarn erfolgreich praktizieren.

Diese Vision aus dem Bericht fand große Zustimmung, vor allem bei den anwesenden Hebammen. "Unser Ziel ist es, dass für die Frauen und Kinder Schwangerschaft, Geburt, Wochenbett und Stillzeit auch wieder das werden, was sie sind: normale, natürliche Ereignisse", betont Prof. zu Sayn-Wittgenstein. Damit könnte ein großer Beitrag zur Prävention in den Familien geleitstet werden. Das sieht auch die Präsidentin des Bund Deutscher Hebammen e.V., Helga Albrecht, so: "Hebammen bekommen früh Kontakt zu Paaren und Familien mit sozialen oder medizinischen Risiken. Neben der Erhaltung der Gesundheit von Mutter und Kind bekommt auch die kontinuierliche Begleitung der jungen Familie in die Elternschaft eine wichtige Bedeutung."

Auch die Schirmherrin des Symposiums, Bundesfamilienministerin Dr. Ursula von der Leyen, unterstreicht in ihrem Grußwort diesen Aspekt: "Die Zeit rund um die Geburt ist von besonderer Bedeutung. Der im Koalitionsvertrag beschlossene Schwerpunkt Frühe Hilfe/Soziale Frühwarnsysteme nimmt besonders die ersten drei Lebensjahre von der vorgeburtlichen Entwicklung bis zur frühen Kindheit in den Blick. Gesicherte entwicklungspsychologische Forschungsergebnisse zeigen, dass diese erste Entwicklungsphase von prägender Bedeutung für das gesamte weitere Leben ist."

Kontakt und weitere Informationen:
Nicola Bauer, Dipl. Pflegewirtin (FH)
Fachhochschule Osnabrück
Tel.: 0541/ 969-3682
Fax: 0541/ 969-3765
hebammenforschung@wi.fh-osnabrueck.de
http://www.hebammenforschung.de

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