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Als Kinderkrankenschwester von Berlin nach London

Nach langjähriger Pflegeerfahrung in verschiedenen Bereichen wollte ich es nochmal wissen, 2002, mit 53 Jahren im Ausland arbeiten - in einer fremden Sprache, "back to my roots" als Kinderkrankenschwester...

London brauchte dringend Pflegepersonal

Ich bewarb mich auf die Annonce einer Agentur in einer Tageszeitung. Alle Unterlagen mussten ins englische übersetzt und zum Nurses- and Midwife Council (NMC) - der Registrierungsbehörde - nach London geschickt werden. Nach einigen Wochen erfolgte ein telefonisches Interview mit einem Krankenhaus für Herz- und Lungenerkrankungen, dem Royal Brompton Hospital in Central London/South Kensington, in einem der schönsten Bezirke der Stadt. Die Zusage vom Krankenhaus und die Registrierung vom NMC folgte. Diese Registrierung muss alle drei Jahre neu beantragt werden.

Als "Staff Nurse" in einem quasi hierarchischem System - es gibt verschiedene Grade - arbeitet man in einem multikulturellem Team und mit Patienten und Eltern aus verschiedenen Ländern. Das ist eine gewaltige Herausforderung und der 12-Stunden Schichtdienst ist eine physische und mentale Aufgabe.

3 bis 4 Dienste, dann 3 bis 5 Tage frei. Das ist wie Urlaub und ich sprang dann in den Bus und erkundete in jeder freien Minute London und England. Einmal in der Woche lernte ich im College "Medical English for Nurses". Wohnen findet in der "Nurses Accommodation" statt, wie einst in der Schwesternschule.

Kinderkrankenschwester mit einem Säugling auf dem Arm Roomimg in - ein Elternteil ist immer beim Kind und übernimmt den Großteil der Pflege, bzw die Eltern haben einen Raum zur Verfügung. Die Eltern werden auf einem hohen Level in alle Einzelheiten der Pflege und Behandlung mit einbezogen: "Family Centered Care".

Es findet immer ein "Double Check" aller oral und intravenös verabreichten Medikamente statt. "Pain Management" - Schmerzmanagement wird groß geschrieben. Guidelines und Policies gibt es für fast alle Prozeduren und Behandlungen. Eine Vorgehensweise wird nur in eine Policy übernommen, wenn sie Evidence-basiert ist.

Viele Krankenschwestern haben einen Universitätsabschluss (Degree). Die Ausbildung in England wurde vor einiger Zeit akademisiert, was heute mit einiger Kritik gesehen wird. Es erschließt dennoch viel mehr Karrieremöglichkeiten. Es gibt eine Fülle von Spezialisierungen für Krankenschwestern neben der Pflege am Krankenbett, als Specialist Nurse z.B. Cardiac Laison Nurse, Respiratory Specialist Nurse, Pain Management Nurse.

Das Arbeits- bzw. Pflegeethos ist pragmatisch und eher nach dem Motto "Trial and Error". Frage nicht zuviel "just do it". Schwerwiegende Fehler werden im Rahmen des Riskmanagements als "Incident" gemeldet.

Es gibt keine feste Stationsschwester, sondern ab einem bestimmten Grad wird man "Nurse in Charge" und diese rotieren fast täglich. Jährlich findet eine Einschätzung der eigenen Fähigkeiten und gestellten Aufgaben mit dem Teamleiter statt. Dies wird als "Appraisal oder Assessment" bezeichnet. Bestimmte Aufgaben und Projekte müssen erfüllt und Nachweise dazu geliefert werden. Meine Aufgaben sind Schmerzmanagement (Painmanagement) und Stillberatung (Breastfeeding Support). Dazu gehören auch Präsentationen und Unterricht für die Teamkollegen.

Meine Begeisterung für meine Arbeit liegt noch immer in der interessanten und faszinierenden - wenn auch oft nicht einfachen Patientenmischung, sowie dem Einblick in englische und internationale Familienstrukturen und deren kulturellen Hintergrund. Aber auch in den hochspezialisierten, erfolgreichen Herzoperationen an Neugeborenen und Kleinkindern und der Dankbarkeit und Freude der Eltern, bei der Entlassung.

Durch frühere Kenntnisse in der Stillberatung und meiner Aufgabe als Breastfeeding Support Nurse, habe ich eine Ausbildung für eine weitere Qualifikation begonnen und gedenke mein Arbeitsleben in England zu beenden. Freunde, die Lust an der englischen Sprache und mein Leben "by the sea" machen dies möglich.

Als neue Krankenschwester aus dem Ausland erfolgt die Bezahlung auf der untersten Stufe und nach Einteilung des Grades in dem man eingestuft wurde. Dies obliegt dem jeweiligen Krankenhaus. Dazu addiert sich die sogenannte Londonzulage um die hohen Lebenshaltungskosten abzumildern. Stellenauschreibungen enhalten generell Information ueber die Verdiensthoehe.

Annette Sawatzki, Januar 2009
Kontakt: annetzki@googlemail.com
http://www.londonlactationconsultant.co.uk

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