Direkt zum Menü, Tastenkombination ALT + 1 | Direkt zum Inhalt, Tastenkombination ALT + 2

Erste quantitative Untersuchung zur Situation der häuslichen Kinderkrankenpflege in Deutschland

05.10.2001

Dobke et al. haben Ende 1999 für ihre Studie Fragebögen an 93 Einrichtungen der häuslichen Kinderkrankenpflege verschickt (Rücklaufqoute 45%). Der Schwerpunkt der Untersuchung wird mit den Stichworten "Unternehmensorganisation, Personal, Qualitätssicherung, Leistungsspektrum, Finanzierung und Klientel" beschrieben.

Im Vergleich zu ambulanten Pflegeeinrichtungen für Erwachsene (ca. 11000), nimmt sich die Zahl der Anbieter häuslicher Kinderkrankenpflege mit ca. 100 eher bescheiden aus. Bisherige Untersuchungen in diesem Bereich konzentrierten sich i.d.R. auf die ambulante Pflege von über 18jährigen.

Personalstruktur

66% der Einrichtungen haben sich ausschließlich auf die Pflege von Kindern spezialisiert, die anderen bieten ihre Dienstleistungen für alle Altersgruppen an. Im Befragungszeitraum (2,5 Monate) waren 479 Pflegende mit 7526 Arbeitsstunden tätig. 94 Personen waren ganztags beschäftigt. Der grösste Anteil des Pflegepersonals entfiel mit 270 auf die geringfügig Beschäftigten. In mehr als der Hälfte aller Einrichtungen wird im Schichtdienst gearbeitet. Hinsichtlich der Qualifikation waren 95,3% examiniertes Pflegepersonal. 416 Personen haben ihre Ausbildung in der Kinderkrankenpflege absolviert. 23 Kinderkrankenschwestern haben darüber hinaus an einer Fachweiterbildung für die häusliche Kinderkrankenpflege teilgenommen.

Leistungsangebote

Vierzehn der befragten Einrichtungen gaben an auch spezielle pflegerische Angebote bereitzuhalten, z.B. die Betreuung von Frühgeborenen, Patienten mit CF oder onkologischen Erkrankungen sowie die Pflege heimbeatmeter Kinder u.m.

Gewinnung neuer Patienten

Neue Patienten werden durch Kinderkliniken, Eltern oder Kinderärzte vermittelt. Die Anbieter häuslicher Pflege nehmen selber kaum Kontakt zu denn Klinken oder Ärzten auf. Die Zusammenarbeit mit den Kinderärzten wird von zwanzig Einrichtungen als "eher schlecht" bis "schlecht" bezeichnet. Etwas positiver wird die Kooperation mit den Kinderkliniken bewertet.

Qualitätssicherung

Die Anwendung von Pflegestandards ist häufig anzutreffen, Pflegeplanungen werden in nur 33 Einrichtungen für alle Patienten erstellt. Pflegedokumentationen werden überall geführt. Fortbildungen werden fast überall (bedarfsgesteuert) angeboten. Knapp die Hälfte der Einrichtungen bietet ihren MitarbeiterInnen auch die Möglichkeit an Supervisionen teilzunehmen.

Finanzierung

Den größten Anteil ihrer Leistungen rechnen die Einrichtungen mit Ersatzkassen und der AOK ab. Gelder von Pflege- und privaten Kassen sowie von Sozialämtern spielen eine geringere Rolle mit einem max. Anteil von 20%. Einige Einrichtungen finanzieren sich zusätzlich durch Spenden, öffentliche Zuschüsse und Geldern von Sponsoren. 23,5 Stunden werden pro Woche und Einrichtung geleistet, die nicht abgerechnet werden können. Hierzu zählen u.a. Beratung und Anleitung.

Klientel

Die durchschnittliche Altersverteilung der Patienten wird wie folgt angegeben:
Neugeborene: 9,2%
Säuglinge: 34,9%
1 bis 5 Jahre: 38,9%
6-12 Jahre: 13,7%
13-18 Jahre: 3%
> 18 Jahre: 0,2%

Insgesamt überwog zum Zeitpunkt der Befragung der Anteil an betreuten Kindern mit chronischen Erkrankungen (n=99) geringfügig gegenüber jenen mit akuten Erkrankungen (n=84).

Fazit

Dobke et al. kommen u.a. zu dem Schluß, dass qualitätssichernde Maßnahmen in der häuslichen Kinderkrankenpflege noch weiter optimiert werden sollten. Insbesondere bei Stellenbeschreibungen, Pflegestandards und -planungen sowie der Einrichtung von Qualitätszirkeln.

Die Anleitung und Beratung von Eltern kranker Kinder spielt eine sehr wichtige Rolle in der häuslichen Kinderkrankenpflege. Gerade hierbei handelt es sich jedoch um Leistungen, die derzeit nicht extra vergütet werden. Dobke et al. nehmen an, dass in der ambulanten Kinderkrankenpflege jedoch ein ganz besonders hoher Beratungsbedarf besteht und halten eine "... Veränderung der Leistungserstattung seitens der Kranken- und Pflegekassen von Nöten."

Den Einrichtungen empfehlen sie einen besseren Kontakt zu den überweisenden Institutionen aufzubauen, um so durch eine höhere Informationsverbreitung auch mehr Akzeptanz zu erreichen. Dies sollte sich letztendlich in einer steigenden Anzahl an Patienten auswirken. Eine weitere Empfehlung lautet "...Ausbau eines Netzes häuslicher Kinderkrankenpflege...". Darin wird eine Verbesserung der Lebensqualität der betroffenen Familien gesehen und für die Einrichtungen die Möglichkeit ihre Ressourcen optimaler kalkulieren zu können.

Quelle:
Dobke, J./Köhler, Ch./Beier, J.: Die häusliche Kinderkrankenpflege in Deutschland - Eine quantitative Erhebung zur Situation von Anbietern häuslicher Kinderkrankenpflege. Pflege 2001; 14 (3); S. 183-190

zum Seitenanfang

http://

Das könnte Sie auch interessieren:

Studie zum Pflege- und Beratungsbedarf in der ambulanten Kinderkrankenpflege (Abstract)

Verzeichnis Ambulante/Häusliche Kinderkrankenpflege