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Schmerzen bei Früh- und Neugeborenen

11.09.2001

Während man vor einiger Zeit noch glaubte Frühgeborene könnten kaum Schmerzen empfinden, geraten die Themen Schmerzerkennung und -therapie erfreulicherweise zunehmend mehr in das Blickfeld der Kinderkrankenpflege.

Noch bis Ende der 80er-Jahre waren Wissenschaftler der Meinung Frühgeborene könnten kaum oder gar keinen Schmerz empfinden. Dieser fatale Irrtum entsprang der Annahme, dass erst nach Vollendung der Myelinisierung (die bei Frühgeborenen noch nicht abgeschlossen ist) das volle Schmerzempfinden möglich sei. Rutter und Doyal [1] berichten davon, dass selbst grosse Operationen wie Thorakotomien und Laparaskopien ohne intra- oder postoperative Analgesie durchgeführt wurden.

Die Wende trat 1987 ein. Durch zwei Studien [2, 3] konnte zweifelsfrei nachgewiesen werden, dass sich unter operativer Analgesie sowohl die messbaren Stressreaktionen verringerten, wie auch das Outcome der Patienten sich deutlich verbesserte.

Ende der 80er und Anfang der 90er-Jahre wurden dann in den USA und in England eine Vielzahl von pflegerischen und medizinischen Studien durchgeführt. In dieser Zeit lag der Schwerpunkt der Arbeiten in der Identifikation verlässlicher Schmerzindikatoren, der Entwicklung von Instrumenten zur Schmerzmessung und der pharmakologischen und nicht-pharmakologischen Schmerzlinderung.

In Deutschland wurde dieses Thema in der Kinderkrankenpflege bis vor einiger Zeit weitestgehend vernachlässigt. In den Curricula, Fachbüchern und Fachzeitschriften waren kaum Informationen darüber zu finden [4]. In den letzten zwei Jahren scheint sich eine Änderung anzubahnen. U.a. erschienen die Bücher von Zernikow [5] und de Kuiper [6], welche sich explizit mit dem Thema "Schmerz und Schmerztherapie bei Kindern" auseinandersetzen. Beide Publikationen enthalten auch Kapitel, die besonders auf die Schmerzproblematik bei Früh-, Neugeborenen und Säuglingen eingehen. Sparshott [7] widmet sich ausführlich dem Thema im Rahmen der entwicklungsfördernden Pflege. Neben einer steigenden Anzahl von Publikationen ist auch zu beobachten, dass immer mehr Fortbildungen und Kongresse sich des Themas annehmen.

Wer sich näher damit beschäftigen möchte, kann hier eine Literaturliste herunterladen. Es handelt sich überwiegend um (englischsprachige) Studien, deren Schwerpunkt auf dem Thema "Schmerzeinschätzung bei Früh- und Neugeborenen" liegt. Das Dokument liegt als rtf und als pdf-Datei vor.
schmerz_fg_literatur.rtf (32 kb)
schmerz_fg_literatur.pdf (63 kb)

Andreas Plate

Literatur:

  1. Rutter, Nicholas/Doyal, Len: Neonatal care and management of pain: historical and ethical issues. Seminars in Neonatology, 1998, 3: 297-302
  2. Anand, Kanwal J. S./Sippel, W. G./Schofield, N. M./Aynsley-Gree, A.: Randomised trial of fentanyl anesthesia in preterm babies undergoing surgery: effects on the stress response. Lancet, 1987 1; 243-247
  3. Anand, Kanwal J. S./Hickey, P. R.: Pain and its Effects in the Human Neonate and Fetus. New England Journal of Medicine, 1987, 317 (21): 1321-1329;
  4. Müller-Mundt, Gabriele/Brinkhoff, Petra/Schaeffer, Doris: Schmerzmanagement und Pflege - Ergebnisse einer Literaturanalyse. Pflege, 2000, 13 (5): 325-338
  5. Zernikow, Boris (Hrsg.): Schmerztherapie bei Kindern. Springer-Verlag, Berlin; Heidelberg; New York; 2001
  6. de Kuiper, Marlou: Schmerz und Schmerzmanagement bei Kindern. Ullstein Medical, Wiesbaden; 1999
  7. Sparshott, Margret: Früh- und Neugeborene pflegen. Stress- und schmerzreduzierende, entwicklungsfördernde Pflege. Verlag Hans Huber, Bern; 2000

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