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Pflege heute Forum 2002: Podiumsdiskussion zur berufspolitischen Entwicklung der Pflege

29.05.2002

Presse-Information zum Pflege heute Forum 2002

Am 3. und 4. Mai 2002 fand das dritte "Pflege heute Forum" in Berlin statt. Veranstalter war der medizinische Fachbuchverlag Urban & Fischer aus München.

Bei der Podiumsdiskussion über einen gemeinsamen Königsweg für berufspolitische Entwicklung der Pflege gab es rege Wortmeldungen und Fragen aus dem Plenum. Zuvor jedoch stellten Vertreter führender Fachverbände und Institutionen ihre Positionen zum Thema vor: Rolf Höfert (Deutscher Pflegeverband), Gertrud Stöcker (Bundesausschuss für Lehrerinnen und Lehrer für Pflegeberufe), Dr. Almut Satrapa-Schill (Robert Bosch Stiftung), Ulla Rose (DBVA - Deutscher Berufsverband für Altenpflege) sowie Andreas Kray (Berufsverband für Kinderkrankenpflege). Mögliche Anknüpfungspunkte und Lösungen für konzertierte Aktionen sehen die Verantwortlichen, wenn auch nicht immer einstimmig, in

Einen relativ kurzfristig umsetzbaren und objektiven Königsweg formulierte Frau Dr. Satrapa-Schill: Es bedürfe einer gemeinsamen Sprache mit allen Berufsgruppen sowie der Rekrutierung von Allianzpartnern, um eine Öffentlichkeitsarbeit als Aufklärungsoffensive zur Imagebildung der Pflege finanzieren zu können. Zu ähnlichen Erkenntnissen gelangten die Teilnehmer, die zuweilen mit Vehemenz ihre Interessen bei den Verbänden einforderten:

Das Image der Pflege sei in der Gesellschaft, der Politik und bei den Medien für viele Teilnehmer noch extrem verbesserungswürdig. Auch sei unklar, wie sich die Pflege in Deutschland selbst sähe. Die Verantwortlichen der Berufsverbände kamen zu der Einsicht, dass man zukünftig Zielsetzungen verstärkt aufeinander abstimmen solle.

Position des Berufsverbandes für Kinderkrankenpflege zur berufspolitischen Entwicklung der Pflege

Gibt es einen gemeinsamen Königsweg für die berufspolitische Entwicklung der Pflege?

Referent: Andreas Kray (Berufsverband für Kinderkrankenpflege)

In allen Pflegeberufen werden neue Themen und Inhalte relevant, da sich die Arbeitsfelder in der Kranken-, Kinder,- und Altenpflege erweitert und verändert haben und die Pflege als Wissenschaft eine deutliche Weiterentwicklung auch in Deutschland erfahren hat.

Zunehmend mehr entwickelt sich Pflege in den außerklinischen Bereich, vernetzte Pflegearbeitsfelder im Sinne der Pflege-Überleitung etc. entstehen. Ferner wird die pflegerische Versorgung von chronisch kranken und behinderten Menschen einen zentralen Arbeitsschwerpunkt bilden.

Durch die Veränderungen in der Finanzierung von Gesundheitsleistungen, insbesondere im Krankenhaus (DRG´s), müssen sich Pflegende zunehmend ökonomische Kompetenzen aneignen.

Desweiteren wird Pflege als Dienstleistung - orientiert an einem "Kundenbewußtsein" - einen ideologischen Paradigmenwechsel einleiten müssen.

Bedingt durch Globalisierung und europäische Harmonisierungen werden wir steigende Migrationsbewegungen von Pflegekräften selbst als auch von Patienten aus verschiedenen Kulturen erfahren, die in Deutschland Ihre Heimat finden, so dass Pflege auch einen neuen interkulturellen Bedarfsansatz findet.

Pflege als Wissenschaft erfordert erweiterte Kompetenzen im Bereich des wissenschaftlichen Arbeitens und der Beherrschung der englischen Sprache als meistverbreitete Sprache der Wissenschaften.

Zur Bewältigung des beruflichen Pflegealltags sind interaktive, kognitive, technisch-manuelle und organisatorische Kompetenzen notwendig, die durch die Vermittlung der Inhalte eines neuen, völlig veränderten Krankenpflegesetzes erworben werden sollten.

Aus meiner Sicht wird die besondere Herausforderung für die Pflege in der Zukunft darin liegen, die Bedeutung von Pflegeleistungen (zum Nutzen der Patienten) insbesondere zwischen der Medizin und der Medizinökonomie hervorzuheben, weil die Bettenkapazität in den Krankenhäusern deutlich zurückgehen, der Wettbewerb sich sowohl horizontal zwischen den Krankenhäusern als auch vertikal zwischen den Vertragsärzten intensivieren wird, Pflegeleistungen in ambulante Arbeitsfelder abwandern und der Einfluß von Medizinökonomie im Management steigt.

Pflege muss beweisen, welche besonderen Mehrwert und spezifische Leistungen sie erbringt, um nicht im Zuge der Deprofessionalisierung, verursacht von gesellschaftlichen Trends wie z.B. "Wellness" und "Patienten- Hotelservice", eliminiert zu werden.

Das vorläufige Fazit dieser allgemeinen Vorbemerkungen lautet aus meiner Sicht, dass sich Pflege den Zukunftsfeldern wie Qualitäsmanagement, Prozesssteuerung, Benchmarking, Leistungs- und Erlössteuerung, der Weiterentwicklung von Pflegediagnosen und integrierten Versorgungsmodellen intensivst zuwenden muss, um im härter werdenden Verteilungskampf der ökonomischen Mittel im Gesundheitswesen grundsätzlich Fuss fassen zu können.

Ob es einen gemeinsamen Königsweg für die berufspolitische Entwicklung der Pflege geben wird, wird meiner Aufassung davon abhängen, inwieweit es gelingt, die berufspolitischen Ziele aller Pflegeberufe zu bündeln und ein Instrument für die "Selbstverwaltung der Pflegeberufe" schnell zu finden.

Ein erster Versuch hierzu wurde mit der Bildung des Deutschen Pflegerates (DPR) und der intensiven Bund- Länderdiskussion zum "Pflegekammerwesen" eingeleitet. In den kommenden 2-3 Jahren wird sich entscheiden, ob der DPR ein wirkungsvolles Gremium darstellt, welches von den übrigen Partnern der Selbstverwaltung ( Kassen, BÄK etc.) und der Bundesregierung juristisch akzeptiert und gesetzlich verankert wird. Dabei spielen die Mitgliederstärken der jeweiligen Mitgliedsverbände eine entscheidende Rolle, weil nur über Masse an Mitgliedern genügend Finanzmittel zur Verfügung stehen um den DPR grundsätzlich in die Lage zu versetzen, sowohl im Innenverhältnis als auch im Außenverhältnis Vertragspartnerschaften eingehen zu können.

Für uns als Berufsverband Kinderkrankenpflege Deutschland e.V. steht dabei fest, dass die Autonomie der einzelnen Berufsverbände durch den DPR grundsätzlich nicht in Frage zu stellen ist. Dennoch werden wir den DPR auch weiterhin als wesentliches Organ pflegerischer Interessenspolitik unterstützen. Von besonderer Bedeutung für uns ist hierbei auch die Neuentwicklung der Inhalte des neuen Krankenpflegegesetzes und der Krankenpflegeausbildungs- und Prüfungsverordnung. Wir freuen uns, das sich die Bundesregierung gegen eine generalistische Ausbildung ausgesprochen hat und noch für diese Legislaturperiode eine Gesetzesinitiative im Sinne einer integrativen Ausbildung, dokumentiert durch den Referentenentwurf vom Februar dieses Jahres, vorsieht.

Gesunde, kranke und behinderte Kinder und Jugendliche und Ihre Familien haben ein Recht auf fachkompetente, ihrem spezifischen Bedarf entsprechende pflegerische Dienstleistungsangebote im Rahmen ambulanter, teilstationärer und stationärer Betreuung. Diese speziellen Bedürfnisse lassen sich durch folgend drei Besonderheiten des Kindes- und Jugendalters untermauern:

  1. die Entwicklung des Kindes und Jugendlichen
  2. die körperliche und psychische Verletztlichkeit insbesondere im Kindesalter
  3. die unabdingbare Abhängigkeit von einem sozialen Bezugssystem.

Diese Spezifika erfordern spezielle berufliche Kompetenzen die bereits in der Erstausbildung eines Pflegeberufes erlernt werden müssen. Die spezifische Fachlichkeit der Kinderkrankenpflege läßt sich über die spezifischen Inhalte der Kinderkrankenpflege definieren. Der BeKD e.V. hat sich 1998 in seiner Darstellung der Kompetenzen der Kinderkrankenpflege an den Charakteristika der Pflegekompetenz wie sie, D.E. Orem beschreibt, orientiert. Frau Orem unterscheidet "Soziale, interpersonale und technologische Charakteristika" die sich aus dem gesellschaftlichen Auftrag den die Kinderkrankenpflege zu erfüllen hat, aus ihren Kontakten zu allen Kulturen und sozialen Milieus einer Gesellschaft und aus den damit verbundenen gesetzlichen, vertraglichen und normativen Vorgaben ergeben.

Als Fazit meiner Ausführungen stelle ich fest:

  1. Pflege allgemein muss sich moderner und effizienter Mangagementstrukturen bedienen, um originäre, zukunftsfähige Leistungsangebote - im Sinne eines direkten Patientennutzens - anbieten zu können. Diese müssen pflegewissenschaftlich abgesichert werden.
  2. Die Berufspolitik der Pflege findet ihren gemeinsamen Königsweg in der Selbstverwaltung; deshalb ist die Fortentwicklung des DPR und parallel dazu die Implementierung eines Pflegekammerwesens unabdingbar.
  3. Die berufsspezifischen Belange der jeweiligen pflegerischen Fachkompetenzen müssen bereits in einer pflegerischen Erstausbildung mit anschließender Weiterbildung formal und gesetzlich berücksichtigt werden.
  4. Die Arbeitsfelder der Pflege müssen sich in veränderten Strukturen des Gesundheitswesens wiederfinden. Dazu sind neue Handlungsfelder und Fachkompetenzen erforderlich.

Mit freundlicher Genehmigung: Pflege heute Forum 2002, Presse-Service, Verlag Urban & Fischer

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